Lithium: Anwendung, Wirkung, Nebenwirkungen

Ob in Batterien, Reaktoren, Lebensmitteln oder in der Medizin: Lithium ist ein wahres Multitalent. Lithium war das erste erfolgreiche Medikament zur Behandlung psychiatrischer Erkrankungen. Zurzeit wird erforscht, ob es bei Alzheimer hilfreich sein könnte. Doch kann der Stoff selbst bei geringer Dosierung gesundheitliche Vorteile bieten. Experten sind zunehmend davon überzeugt, dass Lithium ein essenzielles Spurenelement ist, das bei der Prävention von Krankheiten eine wichtige Rolle spielt.

Was ist Lithium?

Lithium (Li) ist ein chemisches Element und zählt wie z. B. Natrium, Magnesium und Aluminium zu den Leichtmetallen. Es liegt in der Natur nicht in reiner Form, sondern meist als Bestandteil wasserlöslicher Salze vor – etwa in Gewässern, Gesteinen sowie in Pflanzen, Tieren und Menschen.

Da das relativ seltene Metall stark verteilt auftritt, gestaltet sich die Gewinnung schwierig. Zu den wichtigsten Abbauländern zählen Australien, Chile und China.

Lithium ist heiß begehrt. Denn es wird bei der Herstellung von Lithium-Akkumulatoren benötigt. Ohne diese Batterien würden z. B. Smartphones, Laptops, Elektroautos oder E-Bikes nicht laufen. Das Leichtmetall spielt außerdem in Kernfusionsreaktoren und in der Medizin eine wichtige Rolle. Darüber hinaus streiten sich Experten, ob Lithium ein essentielles Spurenelement ist oder nicht.

Ist Lithium ein Mikronährstoff?

Die Wissenschaft ist sich nach wie vor uneinig, ob Lithium wie z. B. Magnesium ein essentielles Spurenelement und somit für einen Organismus lebensnotwendig ist. Lange Zeit wurde mehrheitlich die Annahme vertreten, dass dies nicht der Fall sei.

Inzwischen häufen sich jedoch Studien, dass Lithium möglicherweise doch zu den Mikronährstoffen gehört (2). Das breite Wirkungsspektrum spricht jedenfalls dafür.

Studiendaten zufolge wirkt Lithium nicht nur in hoher, pharmakologischer Dosierung auf das zentrale Nervensystem (7). Selbst Mikrodosen, die durch Lebensmittel und das Trinkwasser aufgenommen werden, scheinen physiologische Vorgänge beeinflussen zu können.

Dagegen spricht letztendlich nur, dass bislang keine zentrale biologische Funktion von Lithium bekannt ist, ohne welche der Organismus nicht existieren könnte, wie es eben bei „anerkannten“ essentiellen Spurenelementen der Fall ist.

Wie wirkt Lithium?

Bei psychiatrischen Erkrankungen (z. B. bipolarer Störung und schweren Depressionen) kommen sehr hohe Lithium-Dosen (mindestens 113 mg reines Lithium täglich) zum Einsatz.

Im Vergleich dazu werden über die Ernährung bzw. das Wasser nur Mikrodosen aufgenommen (also meist weniger als 1 mg pro Tag). Diese sind aber nicht ausreichend, um bei schweren Leiden eine pharmakologische Wirkung entfalten zu können.

Doch selbst Mikrodosen haben Studien zufolge eine schützende Wirkung auf das Nervensystem und einen positiven Einfluss auf die psychische Gesundheit. Dafür verantwortlich sind entzündungshemmende und antioxidative Effekte sowie die Regulierung des Stoffwechsels des Nervensystems.

Es ist bekannt, dass Lithium in Form von löslichen Salzen nahezu vollständig im Dünndarm über Natriumkanäle aufgenommen und gleichmäßig im Körper verteilt wird (1). Die Mechanismen der Wirkung sind jedoch nur teilweise verstanden.

Bislang konnte in keiner Studie ein direkter Zusammenhang zwischen dem Li-Gehalt in Lebensmitteln sowie Trinkwasser und Erkrankungen nach langfristiger Aufnahme nachgewiesen werden. Jedoch wird eine zu geringe Aufnahme über die Nahrung wiederum mit vielen psychosozialen Störungen in Verbindung gebracht (4).

Mehr Lithium im Wasser, weniger Selbsttötungen

Verglichen mit den medizinischen Dosen sind die im Oberflächen- und Grundwasser vorkommenden Konzentrationen sehr niedrig. Eine tägliche Wasseraufnahme von 2 l würde nur einen Bruchteil einer typischen therapeutischen Dosis liefern.

Angesichts des durchschnittlichen täglichen Wasserverbrauchs von etwa 1,3 l pro erwachsener Person würden selbst Bewohner von Gebieten mit einer hohen Li-Konzentration im Trinkwasser nur etwa 0,2 mg Lithium pro Tag über das Wasser aufnehmen.

Nichtsdestotrotz haben einige Studien ergeben: Je mehr natürlich vorkommendes Lithium im Wasser, desto geringer die Suizidrate, die Anzahl von Krankenhauseinweisungen aufgrund psychischer Probleme und umso geringer auch die Häufigkeit von aggressivem Verhalten (9).

Auch dies könnte dafür sprechen, dass es sich bei Lithium tatsächlich um ein essentielles Spurenelement handeln könnte.

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Wirkt Lithium gegen Alzheimer?

Seit einigen Jahren gibt es Hinweise, dass Lithium bei ausreichender Aufnahme über die Ernährung sowie Wasser das Fortschreiten von Alzheimer verlangsamen und einen vorbeugenden Effekt haben könnte.

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Laut einem im Jahr 2021 durchgeführten Review regt niedrig dosiertes Li die Nervenbildung im Hippocampus an und verbessert kognitive Fähigkeiten. Nach einer 3-monatigen Lithiumbehandlung wurde bei Patienten mit Alzheimer eine Verlangsamung des kognitiven Abbaus beobachtet (12).

Eine Studie zeigte, dass sogar eine Mikrodosis von 0,3 mg Lithium pro Tag Wirkung zeigen kann (22). Der Zustand von Alzheimer-Patienten blieb über 15 Monate stabil, während sich die Verfassung jener Patienten unter Placebo weiter verschlechterte.

Einer weiteren Studie aus dem Jahr 2024 zufolge wirkt sich das Leichtmetall zudem positiv auf Parkinson aus (13).

Manche Forscher wie etwa der deutsche Molekulargenetiker Michael Nehls sind der festen Überzeugung, dass ein Mangel an Lithium wesentlich an der Entwicklung von Alzheimer beteiligt ist (15). Nehls gab an, dass die tägliche Einnahme von mikrodosiertem Li (mindestens 300 µg mit lithiumhaltigem Trinkwasser) von hoher therapeutischer Relevanz sein kann.

Beugt Lithium im Trinkwasser Krebs vor?

Mehrere Beobachtungsstudien mit bipolaren Patienten haben einen Zusammenhang zwischen der Lithiumbehandlung und einem verringerten Krebsrisiko festgestellt. In einer im Jahr 2025 veröffentlichten Kohortenstudie mit mehr als 252.000 Teilnehmern war ein höherer Li-Gehalt im Trinkwasser mit einem verringerten Krebsrisiko verbunden (5).

Auf biologischer Ebene wurde festgestellt, dass Lithium mehrere Enzyme beeinflusst, die an der Krebsentwicklung beteiligt sein können (z. B. die Glykogensynthase-Kinase 3). Dies bietet eine plausible Erklärung für eine mögliche Antikrebswirkung.

Die Vermutung liegt nahe, dass eine zu geringe Lithiumzufuhr diverse gesundheitliche Probleme begünstigen und somit ein Mangel an einem essentiellen Spurenelement vorliegen könnte.

Nahrungsergänzungsmittel mit Lithium in der EU verboten

Nahrungsergänzungsmittel mit dem Inhaltsstoff Lithium sind im gesamten EU-Raum verboten. Zulässig sind lediglich Arzneimittel, für welche man ein ärztliches Rezept benötigt. Es handelt sich meist um Lithiumcarbonat.

Ausschlaggebend für dieses Verbot ist, dass Lithium nicht als essentielles Spurenelement anerkannt ist und (in der Medizin) der Grat zwischen einer (z. B. bei bipolarer Störung) therapeutisch wirksamen Dosis und einer Vergiftung sehr schmal ist. Daher muss eine medikamentöse Therapie ärztlich überwacht werden.

In den USA und Kanada können Nahrungsergänzungsmittel mit Lithium ganz legal erworben werden. Diese enthalten meist Lithiumorotat (das Lithiumsalz der Orotsäure). Es besteht zu etwa 3,86 Prozent aus Lithium, zu 86,14 Prozent aus Orotat und zu 10 Prozent aus Wasser.

Lithiumorotat galt lange als toxisch

Da in Studien in den 1970er Jahren die Nierenfunktion von Tieren durch Lithiumorotat beeinträchtigt wurde (11), schwand schnell das Interesse. Später stellte sich aber heraus, dass die Dosis extrem hoch war und damit im toxischen Bereich lag. Erst in den 2020er Jahren wurde die Forschung fortgesetzt.

Neuen Studien zufolge gibt es in Bezug auf die Toxizität von Lithiumorotat keine Bedenken (8). Wird Lithiumorotat vorschriftsgemäß niedrig dosiert, ist das Nebenwirkungspotenzial gering. Es soll für ein ruhigeres Gefühl sorgen, die Reaktionen auf Stressoren verbessern und zu einem weniger impulsivem Verhalten führen.

Eine Umfrage mit 211 Teilnehmern in Großbritannien ergab, dass die Einnahme von Lithiumorotat oder auch Lithiumaspartat (10 mg 1-mal täglich) die Stimmung verbessert, bei Angstzuständen hilft und im Bereich der Kognition wertvolle Dienste leistet (23).

Laut Dr. Nehls nimmt man 1 mg täglich ein (= 23 mg Lithiumorotat oder 26 mg Lithium-Orotat-Monohydrat) (19).

Will man das Mittel nun kaufen, hat man verschiedene Möglichkeiten:

Verbotene Präparate

Manche Anbieter verschicken aus dem Ausland, z. B. aus den USA. Eine entsprechende Bestellung verläuft häufig unproblematisch. Es kann aber auch zu Beschlagnahmungen durch den Zoll kommen (wenn dieser die Sendung prüft).

Ferner gibt es Anbieter, die zwar in EU-Mitgliedsstaaten sitzen (z. B. in Lettland), aber trotz Verbot Lithiumorotat als Nahrungsergänzungsmittel im Sortiment haben. Da es sich um innergemeinschaftliche Sendungen handelt, werden Postpakete so gut wie nie kontrolliert und kommen fast immer an.

Legale Präparate auf Rezept

In manchen online Apotheken gibt es ganz legal Kapseln mit Lithiumorotat (1 mg Li von Hecht Pharma) – aber nur auf Rezept. Sie könnten Ihren Arzt bitten, Ihnen ein Rezept auszustellen, z. B. zur Prävention kognitiver Einschränkungen.

Legale Präparate ohne Rezept

Es ist jedoch gar nicht erforderlich, ein Rezept zu organisieren oder auf verbotene Präparate zurückzugreifen, zumal auch die Einnahme in Kapselform nicht zwangsläufig die beste ist.

Deutlich natürlicher ist die Einnahme mit dem Trinkwasser – und genau dazu eignet sich das nachfolgend vorgestellte legal im EU-Handel erhältliche Lithiumpräparat:

Es ist nicht als Nahrungsergänzung deklariert und trägt daher den Hinweis, dass es nicht für die Einnahme gedacht ist. Nur so kann sich der Hersteller absichern und im legalen Bereich bleiben.

Es handelt sich daher auch nicht um Kapseln oder Tabletten, da diese ja offensichtlich dann doch für die Einnahme bestimmt wären, sondern um eine wässrige Lösung.

Sie liefert pro Tropfen 25 µg elementares Lithium und pro 20 Tropfen 500 µg.

Lithiumgehalt in Lebensmitteln

So wie bei allen anderen Mikronährstoffen hängt der Lithiumgehalt in Lebensmitteln von diversen Faktoren ab, so z. B. vom Standort, von der Pflanzenart, vordergründig aber von der geographischen Lage.

Die Konzentration von Li in Böden reicht von 0,1 bis 400 mg/l. Entsprechend schwankt der Gehalt natürlich auch in Lebensmitteln.

Beispiel: Bei Tomaten fand man im Schnitt hohe Werte zwischen 2000 und 3500 µg pro Kilogramm. Doch gab es auch Proben, in denen nur 2 µg/kg gefunden wurden.

Laut einer spanischen Analyse von 2013 (3) ist der Gehalt in Nüssen mit durchschnittlich etwa 880 µg pro 100 g besonders hoch. Getreideprodukte liegen bei rund 440 µg, Fisch bei etwa 310 µg und Gemüse bei ca. 230 µg pro 100 g.

Deutlich niedriger sind die Werte bei Obst wie Zitrusfrüchten, Äpfeln oder Bananen mit etwa 135 µg, bei Milchprodukten mit rund 50 µg und bei Pilzen, die im Durchschnitt nur 19 µg pro 100 g enthalten.

Natürlich sind diese Angaben mit Vorsicht zu genießen, da man nicht weiß, welche Nüsse, welche Getreideprodukte, welche Pilzarten nun gemeint sind, aber sie zeigen, dass man in jedem Fall auch mit Lebensmitteln relevante Lithiummengen zu sich nehmen kann.

In Gewässern

Die Li-Konzentration im Wasser hängt hauptsächlich von den Verwitterungsprozessen der Mineralgesteine ab. Sie liegt im Schnitt zwischen 4,6 und 219 µg/l.

Am meisten Lithium findet sich im Meerwasser (140 bis 200 µg/l). Im Süßwasser finden sich viel geringere Werte (z. B. in Flüssen 0,16 bis 4,5 µg/l). Entsprechend reichern Lebewesen im Meer auch mehr von dem Leichtmetall an als im Süßwasser.

Im Trinkwasser

In bestimmten Gegenden Griechenlands, Englands, Italiens, der USA (Texas) und Japans wurden relativ hohe Li-Konzentrationen von etwa 200 µg/l im Trinkwasser gefunden. Obwohl die Werte in einigen Regionen der Welt bis zu 5.200 µg /l betragen können, liegen diese im europäischen Leitungswasser in der Regel weit darunter.

Sie können zudem stark schwanken (zwischen 0,1 und (in Österreich) 1300 µg/l, in Dänemark hingegen nur bis 30 µg/l).

In Europa gibt es allerdings keine gesetzlichen Anforderungen zur Überwachung des Li-Gehalts im Oberflächen- und Trinkwasser. Darum wurden bislang keine Richtwerte festgelegt.

Im Mineralwasser

Studien haben gezeigt, dass Mineralwässer verschiedener Hersteller relativ hohe Li-Konzentrationen aufweisen können. In einem slowakischen Produkt erreichte der Gehalt sogar fast 10 mg/l. Die Li-Konzentration in europäischem Mineralwasser wurde jedoch im Schnitt lediglich auf rund 1 µg/l geschätzt.

Dennoch gibt es auch Wässer mit höheren Werten: In Österreich ist es das Thalheimer Heilwasser (400 µg/l), in Deutschland das Gerolsteiner Ursprung (450 µg/l oder Staatl. Fachingen mit 770 µg/l und in der Schweiz das Zurzacher Mineralwasser (1300 µg/l), das derzeit aber leider nicht mehr erhältlich ist (Juli 2025).

In anderen Getränken

Lithium findet sich natürlich nicht nur im Mineralwasser, sondern auch in anderen Getränken. In einer Studie wurde die durchschnittliche Li-Konzentration in 319 Getränkeproben ermittelt (gerundet).

Rotweine enthielten 18 µg/l, Weißweine 14 µg/l und Bier und Fruchtsaft 7 µg/l.

Die Lithiumaufnahme

Schätzungen zufolge werden 66 bis über 90 Prozent des täglich aufgenommenen Lithiums über Getreide und Gemüse gedeckt. Der Rest stammt aus tierischen Lebensmitteln und dem Trinkwasser bzw. Getränken.

Eine vegetarische bzw. vegane Ernährung liefert daher im Allgemeinen mehr Lithium als eine fleischlastige Ernährung (2) – besonders wenn noch Nüsse bzw. Mandeln gegessen werden, die als lithiumreich gelten.

Die Schätzungen zur täglichen oralen Lithiumaufnahme sind sehr unterschiedlich. Sie kann je nach Verfügbarkeit in der Umwelt bzw. in Lebensmitteln und im Wasser zwischen einigen wenigen und mehreren 1.000 µg pro Tag variieren.

In Europa ist die Li-Aufnahme eher gering. Einer Studie zufolge betrug die durchschnittliche Aufnahme in der täglichen Nahrung polnischer Studenten 10,7 µg, bei Erwachsenen in Belgien kam man auf einen Durchschnittswert von 8,6 µg.

Der Mikronährstoffbedarf ist überdies stets individuell verschieden – und kann sich durch zahlreiche äußere Einflüsse verändern.

Dazu zählen etwa die Ernährung, Stress, Schlafmangel, körperliche Belastung, Medikamente oder chronische Erkrankungen. Diese Faktoren beeinflussen, wie gut der Körper Nährstoffe aufnimmt oder nutzt.

Wie viel Lithium braucht nun der Mensch?

Obwohl Lithium offiziell nicht als Mikronährstoff gilt, empfehlen einige Autoren eine Zufuhr von 1.000 µg pro Tag für einen 70 kg schweren Erwachsenen, also 1 mg (14,3 µg/kg Körpergewicht).

Anderen Experten zufolge handelt es sich hierbei aber nur um eine vorsichtige Schätzung, wobei individuelle Unterschiede nicht berücksichtigt wurden. Möglicherweise ist also eine noch höhere Aufnahme zur Erhaltung einer optimalen Gesundheit erforderlich.

Wie kann man den Lithiumspiegel im Blut messen?

Der „normale“ Lithiumspiegel kann nur durch eine hoch sensitive ICP-MS-basierte Analyse im EDTA-Vollblut bestimmt werden.

Die für die Medikamentenspiegel-Analyse verwendete Methode ist hingegen die photometrische Lithiummessung im Serum. Diese ist aber aufgrund ihrer geringen Sensitivität nicht geeignet, um den physiologischen Li-Blutspiegel zu bestimmen. Sie kann nur den sehr hohen Spiegel bestimmen, der durch therapeutisch hochdosiertes Lithium entsteht.

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Lithium in der Medizin

Lithium kam erstmals im 19. Jahrhundert bei psychiatrischen Leiden zum Einsatz. Berichte über Nebenwirkungen und Todesfälle haben aber dazu geführt, dass entsprechende Medikamente Mitte des 20. Jahrhunderts kaum mehr eingesetzt oder sogar verboten wurden (z. B. in den USA). Die Forschung wurde dennoch fortgesetzt.

Nachdem australische Forscher nachweisen konnten, dass Lithiumsalze bei Manien hilfreich sein können, wurde Lithium zum ersten erfolgreichen Medikament zur Behandlung psychiatrischer Erkrankungen. 1970 waren die USA weltweit das 50. Land, das Lithium zugelassen hat.

Heute zählen Lithiumsalze – vordergründig Lithiumcarbonat (Li₂CO₃) – zu den am häufigsten eingesetzten Arzneimitteln in der psychiatrischen Behandlung. Hierbei kommen meist sehr hohe Dosen zum Einsatz, die mit schweren Nebenwirkungen einhergehen können. Zu Todesfällen kommt es zum Glück nur noch sehr selten.

1. Psychische Erkrankungen

Die wichtigste Indikation von Lithium ist die bipolare affektive Störung (6) (Manie und Depression im Wechsel). Das stimmungsstabilisierende Arzneimittel wird hierbei insbesondere zur Behandlung von akuter Manie und manischen Episoden empfohlen. Weitere Anwendungsgebiete sind Schizophrenie und Depressionen.

Lithium wird aber auch als vorbeugendes Mittel gegen manisch-depressive Erkrankungen angewandt. Zudem wurde festgestellt, dass bei Patienten das Suizidrisiko gesenkt werden kann.

Therapeutische orale Li-Dosen liegen üblicherweise im Bereich von 600 bis 1.200 mg Li₂CO₃ pro Tag (entspricht 113 bis 226 mg reinem Lithium). Interessanterweise kann der Stoff jedoch bereits bei deutlich geringeren Dosen eine stabilisierende Wirkung zeigen. Ein Teil der Patienten spricht so gut auf Lithium an, dass es sich Experten zufolge so anfühlt, als litten sie an einem Lithiummangel.

Die Wirkung von Lithium ist wie gesagt noch nicht eindeutig geklärt, scheint aber auf seinen Einfluss auf die intrazelluläre Neurotransmission (Kommunikation zwischen Neuronen über Synapsen) zu beruhen. Als wichtigster Wirkort gilt jedenfalls das zentrale Nervensystem.

2. Cluster-Kopfschmerzen (Prophylaxe)

Cluster-Kopfschmerzen sind durch einen einseitigen, extrem heftigen Schmerz im Bereich von Schläfe und Auge charakterisiert, der in Attacken auftritt. Diverse Studien haben gezeigt, dass Lithium in Form von LIthiumcarbonat/-acetat bei Cluster-Kopfschmerz wirksam sein kann (10).

Lithiumsalze (Lithiumcarbonat und Lithiumacetat) sind in Deutschland die einzigen, zur vorbeugenden Behandlung zugelassenen Medikamente.

Die häufigste Tagesdosis liegt bei 2-mal 400 mg Lithiumcarbonat. Nachteilhaft sind mögliche Nebenwirkungen. Darüber hinaus ist eine regelmäßige Kontrolle der Blutwerte erforderlich, um eine Vergiftung zu vermeiden.

3. Lithium und die Knochengesundheit

Da sich Lithium im Körper auch besonders in den Knochen ansammelt, forschte man bereits zur Wirkung des Elements in diesem Bereich.

Bekannt ist z. B. dass Personen mit Depressionen oder auch mit bipolarer Störung ein erhöhtes Risiko für Osteoporose haben. Dies mag daran liegen, dass aufgrund der Erkrankung die Ernährung leidet und auch wenig Motivation für regelmäßige Bewegung vorhanden ist.

In einer Studie aus 2022 überprüfte man die Lithiumwirkung auf die Knochen bei Menschen mit bipolarer Störung. Hier zeigte sich, dass jene, die mit Lithiummedikamenten behandelt wurden, ein geringeres Osteoporoserisiko hatten (24).

Lithium scheint die Osteoblastenaktivität zu fördern. Osteoblasten sind die knochenbildenden Zellen, die also für den Knochenaufbau zuständig sind. Gleichzeitig werden die knochenabbauenden Zellen (Osteoklasten) gehemmt.

BDNF – der Wachstumsfaktor, der im Gehirn so gut wirkt – fördert auch in den Knochen das Wachstum und die Heilung. Letzteres zeigte sich in Tierstudien, wo das Element die Knochenbrüche schneller heilen ließ.

Doch erhielten sowohl die Patienten als auch die Tiere hochdosiertes Lithium. Untersuchungen zur Knochenwirkung von geringen Lithiumdosen, wie man sie als Nahrungsergänzung zu sich nehmen würde, gibt es unseres Wissens nach noch nicht.

Die Nebenwirkungen

Eine niedrigdosierte Li-Aufnahme (z. B. über das Wasser) kann einen positiven Einfluss auf die Gesundheit von Pflanzen, Tieren und Menschen haben. Im Gegensatz dazu korreliert eine hohe Dosis (z. B. bei bipolarer Störung) mit diversen Nebenwirkungen.

Typische Nebenwirkungen sind Gewichtszunahme, Kreislaufstörungen, Zittern (Tremor, besonders in den Händen), Übelkeit, Erbrechen und Durchfall, Veränderungen des Blutbilds (Leukozytose), Müdigkeit, verstärkter Durst und verstärktes Wasserlassen sowie eine Unterfunktion der Schilddrüse.

Nebenwirkungen sind in der Regel reversibel, wenn sie frühzeitig erkannt und die Dosis reduziert oder die Behandlung abgebrochen wird.

Die Toxizität

Eine mögliche Toxizität betrifft ausschließlich die therapeutische Anwendung von Lithium-Arzneimitteln, die in hohen Dosen gegeben werden.

Hierbei liegt der toxische Serumspiegel nahe an seinem therapeutischen Niveau. Ist die Dosis zu gering, kann sich die Wirkung nicht ausreichend entfalten. Ist sie zu hoch, kann es zu einer Vergiftung kommen. Daher werden entsprechende Patienten engmaschig überwacht, um den Serumspiegel im Blick zu behalten.

Selbst bei korrekter Dosierung kann es aber bei einer Langzeitbehandlung zu Nebenwirkungen kommen, z. B. zu Wasser- und Natrium-Verlusten (Diabetes insipidus), Übersäuerung des Blutes (Azidose) sowie zu Schilddrüsen- und Nierenschäden (Lithium-Nephropathie mit Einschränkung der Nierenfunktion).

Über 95 Prozent des Lithiums werden unverändert über die Nieren ausgeschieden (14). Rund 70 Prozent aller chronischen Intoxikationen sind auf Spiegelerhöhungen aufgrund einer reduzierten Lithium-Ausscheidung (Clearance) zurückzuführen (21).

Lithium in der Schwangerschaft und Stillzeit

Der folgende Abschnitt bezieht sich auf Lithiumarzneimittel:

Die Datenlage aus Studien ist nicht ausreichend, um die Entstehung von Fehlbildungen (z. B. Herzfehler) beim Fötus durch hohe Lithium-Dosen ausschließen zu können. Doch sollte Lithium nach Feststellung einer Schwangerschaft nicht abrupt abgesetzt werden, um einem Rückfall (z. B. im Falle einer bipolaren Störung) entgegenzuwirken.

Einer Studie zufolge sollte Lithium im 1. Trimester und in den Tagen unmittelbar vor der Entbindung im niedrigsten therapeutischen Bereich verschrieben werden (16). Denn Lithium geht in die Muttermilch über und ist auch im Serum des Säuglings nachweisbar (17).

Fallberichten zufolge nehmen Säuglinge 11 bis 42 Prozent der gewichtsangepassten Li-Dosis der Mutter über die Muttermilch auf (18). Der Einfluss auf das Baby ist aber noch weitgehend unerforscht. Sollten stillende Mütter Lithium einnehmen, ist es wichtig, dass u. a. die Schilddrüsenfunktion und der Lithiumspiegel des Kindes regelmäßig ärztlich überwacht werden.

Fazit: Lithium – in niedrigen Dosen vermutlich sehr wichtig

Lithium gilt als der Goldstandard in der Behandlung der bipolaren Störung. Außerdem wird inzwischen heiß diskutiert, ob es sich bei Lithium um ein essentielles Spurenelement handeln könnte, dessen Mangel Krankheiten wie Alzheimer, Depressionen oder Krebs begünstigen kann.

In Europa wird die Lithium-Aufnahme über Lebensmittel und Wasser in den meisten Regionen als zu gering eingestuft. Dennoch sind Nahrungsergänzungsmittel mit Lithium, wodurch die Zufuhr erhöht werden könnte, in der EU noch immer verboten.

Allerdings gibt es ausreichend Präparate, die hilfreich sein können, eben nur nicht als Nahrungsergänzung deklariert sind.

Korrektur 7.4.2025

Im Abschnitt „Beugt Lithium im Trinkwasser Krebs vor“ stand, die Kohorenstudie sei 2025 durchgeführt worden. Dies war falsch. Die Studie wurde 2025 nicht durchgeführt, sondern veröffentlicht. Dies haben wir heute korrigiert.

Update 7.9.2025

Wir ergänzten mit den Informationen zur Knochengesundheit.

Quelle: Lithium: Anwendung, Wirkung, Nebenwirkungen