Nattokinase – Ein Enzym zur Blutverdünnung

Nattokinase ist ein Enzym, das aus fermentierten Sojabohnen isoliert wird. Es gilt als natürlicher Blutverdünner und wird daher in der Naturheilkunde zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingesetzt.

Was ist Nattokinase?

Nattokinase ist eines von vielen Enzymen, das sich im japanischen Sojabohnengericht namens Natto befindet. (Wir nennen es daher auch Natto-Enzym). Für Natto werden die Sojabohnen erst gekocht und anschließend mit Hilfe eines bestimmten Bakterienstammes (Bacillus subtilis natto) fermentiert.

Um die Sojabohnen bzw. das Sojaprotein verstoffwechseln zu können, bilden die Bakterien das Enzym Nattokinase, ein Protein, das aus 275 Aminosäuren besteht.

Anfangs glaubte man, es gehöre zur Enzymgruppe der Kinasen, daher der Name Natto-Kinase. Später aber stellte man fest, dass das Enzym zur Gruppe der Proteasen gehört (1). Der Name blieb aber.

Proteasen spalten Proteine, zerlegen sie also in kleinere Bausteine. Auch Blutgerinnsel bestehen aus Proteinen. Daher kann Nattokinase Blutgerinnsel auflösen (2), also „blutverdünnend“ wirken.

Aus diesem Grund gilt das Enzym in der Naturheilkunde als natürlicher Blutverdünner, der in Form eines Nahrungsergänzungsmittels insbesondere zur Prävention (38) von Herz-Kreislauf-Problemen eingenommen werden kann.

Wie wird Nattokinase hergestellt?

Das Enzym kann einerseits aufwändig aus Natto isoliert werden (5) oder aber auch – ganz ohne Natto – im Labor mit den entsprechenden Bakterienkulturen hergestellt werden (9), teilweise unter Einsatz von Gentechnik (10).

Als Nährmedium für die Bakterien müssen dabei nicht einmal Sojabohnen verwendet werden, da Bacillus subtilis z. B. auch auf den Überresten der Shrimpsproduktion (Krabbenschalen) Nattokinase produzieren kann (11).

Wer also ein veganes Produkt bevorzugt, müsste sich vorab entsprechend informieren, welches Nährmedium für die Herstellung des gewählten Produktes verwendet wurde.

Man gibt zu den gekochten Sojabohnen nun das Bakterium Bacillus subtilis natto, das unter feucht-warmen Bedingungen bei 42 °C bereits innerhalb von 3 bis 5 Stunden Nattokinase bildet. Das Enzym wiederum fermentiert/verdaut nun die Sojabohnen.

Was ist Natto?

Natto ist ein japanisches Gericht aus fermentierten Sojabohnen, das in Japan einerseits ein ganz normales Gericht darstellt, andererseits von den dortigen Naturheilkundigen als traditionelles Heilmittel (12) bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Müdigkeit empfohlen wird (12).

Neben Nattokinase enthält Natto noch weitere Proteasen, beispielsweise die Bacillopeptidase F, die ebenfalls eine fibrinolytische Wirkung hat, also Blutgerinnseln entgegenwirkt. Allerdings ist Nattokinase das Enzym mit den am besten erforschten Wirkeigenschaften.

Es heißt, Natto sei eines der gesündesten Lebensmittel der Welt und mit ein Grund für die Langlebigkeit der Japaner. Denn Natto ist leicht verdaulich, proteinreich, vitaminreich und enthält sowohl Nattokinase als auch Sojaisoflavone und probiotische Bakterien.

Allerdings schmeckt Natto sehr gewöhnungsbedürftig, riecht extrem streng und sieht relativ unappetitlich aus (schleimig, zieht Fäden), so dass nur wenige Europäer die Speise täglich zu sich nehmen möchten. In Japan wird Natto auch als „Gemüsekäse“ bezeichnet und gerne zusammen mit Reis und Gemüse gefrühstückt (14).

Inzwischen gibt es Natto auch als gefriergetrocknetes Pulver zu kaufen, das man in Suppen, Saucen, Joghurt, Smoothies etc. rühren kann. Auch kann man sich Natto mit einer Starterkultur selbst herstellen. Wenn Sie das Gericht einmal probieren möchten, erhalten Sie hier eine solche Starterkultur: Initiator für Natto.

Könnte man nicht gleich Natto essen?

Wer Natto mag bzw. täglich essen möchte, kann natürlich auch eine „Therapie“ mit Natto probieren. Allerdings kennt man dann die enthaltene Nattokinasemenge nicht genau und kann das Lebensmittel daher auch nicht exakt dosieren.

Natto gilt außerdem mit über 1000 µg Vitamin K2 pro 100 g als extrem Vitamin-K2-reiches Lebensmittel. Enthalten ist hauptsächlich das hochwertige Vitamin K2 MK7 in der trans-Form (während die cis-Form als nicht verwertbar gilt).

Vitamin K ist bei Blutverdünnern aus der Gruppe der Vitamin-K-Antagonisten mit Vorsicht zu genießen. Natto jedoch enthält beides: Vitamin K und blutverdünnende Eigenschaften. Letzteres bei einem täglichen Verzehr von mindestens 12 g Natto über 2 Wochen hinweg.

Da der Nattokinasegehalt aber von Produkt zu Produkt schwanken dürfte (auch abhängig vom Reifegrad des Nattos), lässt sich der Effekt dieser Untersuchung sicher nicht mit jedem beliebigen Natto erreichen.

Auch beträgt eine normale Natto-Portion – wenn man es z. B. zum Frühstück isst – 50 g und würde dann auch eine dementsprechend höhere Enzym- und auch Vitamin-K2-Menge enthalten. Die in der Studie angegebenen 12 g stellten also eher eine therapeutische Dosis dar, ließe sich dann aber auch leichter einnehmen – vor allem, wenn man den Natto-Geschmack nicht mag.

Im Februar 2017 las man im American Journal of Clinical Nutrition, dass in Japan das Schlaganfall- und auch das Sterberisiko mit zunehmendem Natto-Verzehr sank (15).

Natürlich enthält Natto im Gegensatz zur isolierten Nattokinase auch die zur Herstellung verwendeten Sojabohnen, die ja die Hauptzutat darstellen, sodass die Speise nichts für Sojaallergiker ist und auch nicht für Menschen, die aus anderen Gründen keine Sojaprodukte essen möchten. Doch kann es auch sein, dass in Natto nicht allein die Nattokinase wirkt, sondern alle enthaltenen Zutaten und Inhaltsstoffe kombiniert.

Wie kann man Natto selber machen?

Natto kann auch selbst gemacht werden. Man benötigt dazu gekochte Sojabohnen, die passende Natto-Starterkultur, die es z. B. in Makrobiotik-Shops gibt (auch online) sowie eine Wärmebox oder einen Joghurtzubereiter, damit die zur Fermentation erforderlich warme Temperatur (ca. 40 Grad) über bis zu 24 Stunden gehalten werden kann. Konkrete Anleitungen finden Sie im Netz.

Nach Fertigstellung darf Natto nicht erhitzt werden, also nicht z. B. mit Gemüse oder Reis gekocht oder gebraten werden, da andernfalls die enthaltenen Enzyme einschließlich der Nattokinase inaktiviert werden und daraufhin wirkungslos bleiben.

Gibt es noch andere Lebensmittel, die das Enzym enthalten?

Neben Natto gibt es nur sehr wenige andere Lebensmittel, die als Quelle für fibrinolytische Enzyme dienen könnten, z. B. Cheonggukjang (16) (koreanische Sojabohnenpaste), Douchi (17) (gesalzene und fermentierte schwarze Sojabohnen, die in der chinesischen Küche als Grundlage für Schwarze-Bohnen-Saucen verwendet werden) und Tempeh (18) (fermentiertes Sojaprodukt aus Indonesien).

Doch auch bei diesen Lebensmitteln schwanken die Enzymgehalte je nach Herstellungsweise, so dass dazu kaum Angaben getätigt werden können.

Die Wirkung

Nattokinase gehört zur Enzymgruppe der Proteasen. Zu dieser Gruppe gehören auch das Plasmin und das Thrombin, zwei körpereigene Enzyme, die an der Blutgerinnung beteiligt sind.

Thrombin fördert die Thrombenbildung (Thrombus = Blutgerinnsel), lässt also das Blut gerinnen. Zu diesem Zweck stellt das Thrombin aus der Vorstufe Fibrinogen den „Klebstoff“ Fibrin her, der nun Wunden verkleben, aber leider auch Blutgefäße verschließen kann, was dann zu einer Thrombose, zu Herzinfarkten und Schlaganfällen führen kann.

Plasmin wiederum ist ein Enzym, das Blutgerinnsel bzw. das darin enthaltene Fibrin wieder auflöst, einen Vorgang, den man Fibrinolyse nennt.

Wenn also im Körper ein gesundes Gleichgewicht herrscht, können keine Blutgerinnsel dauerhaft bestehen bleiben, da sie vom Plasmin aufgelöst werden, lange bevor es zu unerwünschten Ereignissen (Thrombosen, Herzinfarkt etc.) kommt.

Nattokinase nun verfügt – ähnlich wie das Plasmin – über fibrinolytische Eigenschaften, was bedeutet, dass das Enzym Gerinnsel auflöst.

Kann man Nattokinase statt Blutverdünnern nehmen?

Nimmt man bereits ein Medikament zur Blutverdünnung bzw. zur Blutgerinnungshemmung ein, dann ist die Versuchung natürlich groß, dieses gegen die natürlichere Variante, also Nattokinase, auszutauschen. Tun Sie es besser nicht! Denn noch weiß man nicht, ob das Natto-Enzym bei jedem Menschen wie gewünscht wirkt und welche Dosis für den Einzelnen die richtige wäre.

Möglicherweise ist derjenige auch gut eingestellt und an das bisherige Medikament gewöhnt. Wechselt man das Präparat plötzlich, kann es immer sein, dass es zu Umstellungsproblemen kommt. Lesen Sie dazu auch den nächsten Abschnitt: „Kann man Nattokinase gemeinsam mit blutverdünnenden Medikamenten einnehmen?“

Statt Aspirin?

Vom Dezember 2013 stammt eine Studie, in der das Natto-Enzym die Thrombenbildung (Blutgerinnselbildung) in der Hauptschlagader verhindern konnte (23), einen Effekt, der dem von Aspirin sehr ähnlich ist – mit dem Unterschied, dass Aspirin häufig zu inneren Blutungen oder auch zu Magengeschwüren führt, während Nattokinase den Blutfluss ohne jede Nebenwirkung verbessert.

Allerdings waren in genannter Studie – die überdies mit Ratten durchgeführt wurde – hohe Nattokinase-Dosen erforderlich, nämlich 500 mg pro Kilogramm Körpergewicht, während die Aspirinwirkung schon bei 30 mg pro Kilogramm Körpergewicht einsetzte. Leider weiß man noch nicht, welche Nattokinase-Dosis beim Menschen (!) welcher Aspirin-Dosis entsprechen würde, so dass ein einfaches Ersetzen nicht sinnvoll ist.

Statt Warfarin oder Marcumar?

Auch das Ersetzen der beiden Blutgerinnungshemmer Warfarin oder Marcumar gegen das Natto-Enzym ist keine gute Idee. Vor allem, wenn Sie die Medikamente nach einer Operation nehmen müssen, sollten Sie bei diesen bleiben.

In einer Fallstudie von 2015 hatte ein 53-jähriger Patient nach seiner Herzklappenoperation eigenmächtig das verordnete Warfarin abgesetzt und stattdessen täglich 100 mg Nattokinase eingenommen.

Sein Zustand verschlechterte sich, so dass er erneut operiert werden musste. Dabei zeigte sich, dass die eingesetzte Klappe nicht mehr gut funktionierte, da sich auf beiden Seiten der neuen Klappe Ablagerungen und Blutgerinnsel gebildet hatten (41). Die Klappe musste ausgetauscht werden.

Das Natto-Enzym darf also nicht mit einem Medikament verwechselt werden. Es ist eher als Nahrungsergänzung zu sehen, das in ein ganzheitliches Programm zur Prävention eingesetzt werden kann, also in einer Lebensphase, in der man noch keine Medikamente verordnet bekam und auch noch nicht operiert worden war.

Zur Prävention gehören außerdem die richtige Ernährung, Stressreduktion sowie regelmäßige Bewegung! Man darf daher nicht erwarten, dass Nattokinase diese Maßnahmen unnötig machen könnte.

Kann man Nattokinase gemeinsam mit blutverdünnenden Medikamenten einnehmen?

Eine kombinierte Einnahme des Natto-Enzyms mit blutverdünnenden Medikamenten ist nicht empfehlenswert, zumindest nicht, wenn man beide gemeinsam in den jeweils üblichen Dosierungen einnimmt. Denn dann kann es zu einer zu starken Blutverdünnung mit inneren Blutungen kommen (siehe auch unter „Welche Nebenwirkungen sind möglich?“).

Zu den blutverdünnenden Medikamenten zählen

Vitamin-K-Antagonisten/Cumarine wie Phenprocoumon (z. B. Marcumar) und Warfarin, Heparine, Clopidogrel, ASS und die direkten oralen Antikoagulanzien/NOAKs (Neue Orale Antikoagulantien) z. B. Rivaroxaban (Xarelto), Dabigatranetexilat (Pradaxa) oder Apixaban Eliquis).

Denkbar wäre jedoch, das blutverdünnende Medikament in der Dosis zu reduzieren und mit kleinen Dosen Nattokinase einzusteigen. Ein solches Ein- bzw. Ausschleichen muss jedoch unbedingt mit dem Arzt besprochen und von diesem engmaschig kontrolliert werden – und hängt überdies nicht zuletzt von den persönlichen Beschwerden und der individuellen Situation ab.

Ganz gleich welche Medikamente Sie regelmäßig nehmen müssen, sprechen Sie die zusätzliche Einnahme von Nattokinase mit Ihrem Arzt ab!

Gibt es Studien, die den blutverdünnenden Effekt belegen?

Die blutverdünnenden Eigenschaften des Natto-Enzyms wurden bereits in zahlreichen Studien nachgewiesen – in Tierstudien, in In-vitro-Versuchen, aber auch in klinischen Studien. Stets deutete alles darauf hin, dass das Enzym Blutgerinnsel auflösen, das Blut verdünnen und somit als Unterstützung für das Herz-Kreislaufsystem eingesetzt werden kann (24).

Bei Blutgerinnseln Wirkung innerhalb von 5 Stunden

Bei Hunden mit einer Thrombose in der großen Beinvene – so eine Studie aus dem Jahr 1990 – genügten bereits vier Nattokinase-Kapseln à 2000 FU, um das Blutgerinnsel innerhalb von fünf Stunden vollkommen aufzulösen und den normalen Blutfluss wiederherzustellen (25).

Bei Thrombosen wird Blutfluss verbessert

Aus dem Jahr 1995 stammt eine Studie, in der das Natto-Enzym bei Ratten mit Thrombosen in der Halsschlagader den Blutfluss zu 62 Prozent wiederherstellen konnte (26).

Die Blutgerinnsel auflösende Wirkung war damit höher als jene anderer blutverdünnender Enzyme (Plasmin und Elastase). Ersteres konnte den Blutfluss nur zu 15 Prozent, letzteres konnte ihn überhaupt nicht verbessern.

Bei erhöhtem Thromboserisiko werden Gerinnungsfaktoren reduziert

Steigt der Spiegel bestimmter Gerinnungsfaktoren im Blut, steigt auch das Risiko für die Entstehung von Blutgerinnseln und damit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In einer Humanstudie vom März 2009 gab man drei Teilnehmer-Gruppen täglich zwei Kapseln mit Nattokinase (pro Kapsel 2000 FU).

Die drei Gruppen waren einerseits gesunde Freiwillige, andererseits Patienten mit einem gewissen Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Dialyse-Patienten (die ein besonders hohes Thromboserisiko haben).

Nach zwei Monaten stellte man fest, dass sich in allen drei Gruppen die Spiegel der Gerinnungsfaktoren signifikant reduziert hatten (27). Nebenwirkungen wurden keine beobachtet.

Bei gesunden Personen: deutliche Blutverdünnung, aber nie zu stark

Die Wirkung einer einzelnen Nattokinase-Dosis konnte man in einer doppelblinden, placebokontrollierten Untersuchung vom Juni 2015 zeigen.

Man gab 12 gesunden Männern entweder eine Dosis mit 2000 FU Nattokinase oder ein Placebopräparat. In der nächsten Runde tauschte man die Gruppen. Jeweils anschließend entnahm man im zweistündigen Abstand (also nach 2, 4, 6 und 8 Stunden) Blut und untersuchte es auf die entsprechenden Gerinnungsfaktoren.

Es zeigte sich, dass sich die Menge der Abbauprodukte von Fibrin und Fibronogen (siehe unter „Die Wirkung“) erhöhte, Blutgerinnsel wurden also aufgelöst. Die Menge der Gerinnungsfaktoren nahm ab und die Menge der gerinnungsauflösenden Substanzen nahm zu, so dass die Gerinnungszeit verlangsamt wurde, was bedeutet, dass das Blut nun „dünner“ war (28).

Alle diese Veränderungen blieben jedoch im gesunden Rahmen. Das Blut wurde also nie „zu dünn“.

Bei Arteriosklerose – Wirkung nur bei hohen Dosen

Auf eine Arteriosklerose hatte das Natto-Enzym in einer klinischen Studie von 2021 keine Auswirkung. An 265 Teilnehmern zeigte sich, dass die tägliche Einnahme von 100 mg (2000 FU) Nattokinase über drei Jahre hinweg dem Fortschreiten einer Arteriosklerose keinen Einhalt gebieten konnte (29).

In einer Studie von 2022 entdeckte man jedoch, dass es auf die Dosis ankommt, ob Nattokinase bei Arteriosklerose nun Wirkung zeigt oder nicht (46). Hier erhielten 1062 Erwachsene 12 Monate lang täglich 10.800 FU Nattokinase oder nur 3600 FU. Eine Placebogruppe gab es nicht.

Die TeilnehmerInnen hatten erhöhte Blutfette und/oder im Ultraschall nachweisbare arteriosklerotische Veränderungen an der Halsschlagader (Carotis).

In der Gruppe, die 3600 FU erhalten hatte, kam es zu keinen Veränderungen.

In der Gruppe aber, die 10.800 FU eingenommen hatte, sah man signifikante Verbesserungen des Lipidprofils (Senkung von Gesamtcholesterin, LDL und Triglyzeriden sowie Anstieg von HDL).

Zudem beobachtete man in dieser Gruppe eine Abnahme der Intima-Media-Dicke (IMT) der Halsschlagader und der Plaquegröße.

Was ist mit IMT gemeint?

Die Gefäßwand wird in drei Schichten unterteilt: Intima (innere Wandschicht), Media (mittlere Wandschicht) und Adventitia (äußere Wandschicht). In Bezug auf eine Arteriosklerose wird im Ultraschall die Dicke der inneren und mittleren Wandschicht der Halsschlagader gemessen – und mit IMT abgekürzt.

Eine erhöhte IMT gilt als Marker für frühe arteriosklerotische Veränderungen und ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Nebenwirkungen wurden in der Studie nicht dokumentiert.

Nattokinase gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Laut einem internationalen Review von 2018 weist das Natto-Enzym zusammengefasst folgende Wirkungen auf (44):

Es wirkt antithrombotisch, fibrinolytisch (enzymatische Spaltung des Proteins Fibrin), blutdrucksenkend, antiatherosklerotisch, lipidsenkend, Blutplättchen hemmend und neuroprotektiv.

All diese medizinischen Eigenschaften sprechen dafür, dass das Enzym viele positive Auswirkungen auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit hat.

Den Forschern zufolge ist das einzigartigste Merkmal des Natto-Enzyms, dass eine einzelne Verbindung mehrere pharmakologische Wirkungen zur Vorbeugung und Linderung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen besitzt. Die Wissenschaftler gaben an, dass es keine Medikamente mit mehreren pharmakologischen Eigenschaften gäbe, die denen der Nattokinase ähneln.

Darüber hinaus sei das Enzym ein natürliches Produkt, das oral verabreicht werden könne, ein nachgewiesenes Sicherheitsprofil aufweise, wirtschaftlich in der Anwendung sei und deutliche Vorteile gegenüber anderen pharmazeutischen Präparaten böte.

Es habe daher das Potenzial, als Arzneimittel einer neuen Generation zur Vorbeugung, Behandlung und Langzeitpflege von Herz-Kreislauf-Erkrankungen entwickelt zu werden.

Nattokinase bei Bluthochdruck?

2016 wurde eine randomisierte doppelblinde und placebokontrollierte Studie veröffentlicht. Teilnehmer waren US-amerikanische Personen (statt – wie in früheren Studien üblich – asiatische Teilnehmer oder Tiere) (40). Die Teilnehmer hatten eine entsprechende genetische Veranlagung für Bluthochdruck und hatten einen ungesunden, also Bluthochdruck fördernden Lebensstil.

Knapp 80 Teilnehmer mit Bluthochdruck erhielten nun 8 Wochen lang entweder ein Placeboprodukt oder ein Vitamin-K-freies Nattokinase-Produkt (100 mg pro Tag). Beide Blutdruckwerte sanken in der Nattokinase-Gruppe um durchschnittlich drei bis fünf Punkte (30), in der Placebogruppe blieben die Werte unverändert (30).

In der Studie von 2021, die wir am Ende des vorigen Abschnittes vorstellten (29), zeigte das Enzym jedoch keinen Einfluss auf den Blutdruck. Setzen Sie daher bei Bluthochdruck nicht allein auf Nattokinase.

Gegen die alzheimertypischen Ablagerungen?

Da das Natto-Enzym Blutgerinnsel auflösen kann, wäre es denkbar, dass es auch die für Alzheimer typischen Ablagerungen im Gehirn auflösen könnte. In vitro klappt das gut (31), wie eine Studie aus dem Jahr 2009 gezeigt hatte. Jetzt müssten zu dieser Thematik nur noch klinische Studien in Auftrag gegeben werden.

Bei hohem Cholesterin- oder Triglyzeridspiegel?

In Sachen Cholesterin- und Blutfettspiegel sollte man nicht allzu viel erwarten. Auch die Einnahme über 6 Monate hinweg von 200 mg (7000 FU) konnte den Cholesterin- und Blutfettspiegel nicht merklich beeinflussen (32), was in einer weiteren Studie bestätigt wurde (32).

Wie ist der Einfluss des Enzyms bei Krebs?

Zur Wirkung des Enzyms auf Krebs bzw. Krebszellen wurde noch nicht besonders gründlich geforscht. Doch will man als Patient natürlich wissen, ob das Enzym hier möglicherweise nachteilig wirkt. Erste Untersuchungen mit Mäusen zeigten aber, dass es eher eine Schutzwirkung haben könnte.

Die Tiere, die an Leberkrebs litten, erhielten Nattokinase oder ein Placebo. Verglichen mit der Placebo-Gruppe gab es in der Enzym-Gruppe mehr Überlebende.

Auch kam es seltener zum Ascites (Wasser in der Bauchhöhle, was bei Leberkrebs und anderen Tumoren oft vorkommt). Im Ultraschall sah man sogar, dass das Tumorwachstum in der Enzym-Gruppe abgenommen hatte.

Ein bestimmtes Protein (FOXM1), das das Tumorwachstum fördern kann, war in der Nattokinase-Gruppe geringer ausgeprägt, konnte vom Enzym also offenbar gehemmt werden (43). Auch die Spiegel anderer Tumormarker (CD31, CD44 und Vimentin) waren in der Enzym-Gruppe geringer als in der Placebo-Gruppe.

Enthält Nattokinase Vitamin K2?

Natto enthält sehr viel Vitamin K2 (über 1000 µg pro 100 Gramm). Vitamin K2 aktiviert verschiedene Gerinnungsfaktoren und gilt daher fälschlicherweise als blutgerinnungsfördernd und als Gegenspieler der Blutverdünner aus der Gruppe der Vitamin-K-Antagonisten.

Viele Menschen glauben, Vitamin K2 sei generell schlecht fürs Blut, mache es „dicker“, lasse es schneller gerinnen und fördere die Gerinnselbildung.

Das aber stimmt ganz und gar nicht. Denn Vitamin K2 sorgt beispielsweise auch für die Bildung gerinnungshemmender Stoffe in der Leber, so dass Vitamin K2 vielmehr die Blutgerinnung reguliert, also dafür sorgt, dass die gerinnungshemmenden und die gerinnungsfördernden Bestandteile des Blutes ausgewogen bleiben.

Aus diesem Grund zeigt auch die Einnahme von Natto (das viel Vitamin K2 enthält) vorteilhafte Auswirkungen auf das Blut (Siehe unter „Könnte man nicht gleich Natto essen?“). Nichtsdestotrotz verbleibt bei der Isolierung der Nattokinase aus Natto der größte Vitamin-K2-Teil im Natto zurück, gelangt also nicht oder nur zu kleinen Teilen in die Nattokinase-Produkte.

Produkte, die vollkommen frei von Vitamin K2 sind (sie wurden Vitamin-K-bereinigt), tragen überdies einen entsprechenden Hinweis: „Frei von Vitamin K“ oder „Vitamin-K-bereinigt“.

* Hier finden Sie Nattokinase mit 2000 FU in Kapseln (frei von Vitamin K).

Welche Produkte sind gut?

Gute Produkte können nach den folgenden Kriterien ausgewählt werden:

Hochwertige Kapseln enthalten meist 100 mg Nattokinase in einer Konzentration von 2.000 FU. Wer auf vegane Qualität Wert legt, wählt Produkte mit Kapseln aus Cellulose und nicht aus Gelatine.

Auf umstrittene Zusätze wie Magnesiumstearat kann getrost verzichtet werden, wie zahlreiche Hersteller beweisen. Viele Produkte enthalten überdies mittlerweile in Deutschland produzierte Nattokinase, also keine aus Japan importierten Enzyme. Auch ist eine Herstellung aus gentechnikfreien Sojabohnen wünschenswert bzw. eine Herstellung ohne Gentechnik.

Es gibt auch Tabletten, die jedoch – im Gegensatz zu hochwertigen Kapseln – häufig weitere Zusätze (Tablettierhilfsstoffe) enthalten und daher nicht empfehlenswert sind.

Manche Hersteller bieten eine Geld-zurück-Garantie von 12 oder sogar 24 Monaten, wenn die versprochene (blutverdünnende) Wirkung nicht eintreten sollte, wobei es natürlich schwierig ist, die eigene Blutgerinnung zu überprüfen.

Manche Nattokinase-Präparate sind frei von Vitamin K (Vitamin K gilt als Substanz, die die blutverdünnende Wirkung mancher Blutverdünner hemmen kann (der sog. Vitamin-K-Antagonisten, wie Marcumar und Warfarin); dennoch ist Vitamin K nicht zwangsläufig eine Substanz, die das Blut „verdickt“, wie daraus oft geschlussfolgert wird.

Trotzdem wird häufig auf das „frei von Vitamin K“ Wert gelegt, weil nach wie vor eine gerinnungsfördernde Wirkung des Vitamins befürchtet wird.).

Das von uns empfohlene Präparat von effective nature trug einst die Aufschrift „sojafrei“, was aus Sicherheitsgründen inzwischen entfernt wurde. Zwar wird das Enzym aus Soja isoliert (es ist also kein weiteres Sojabestandteil mehr im Produkt), doch lassen sich Soja-Spuren nicht ausschließen, was für Sojaallergiker u. U. problematisch werden könnte.

Was bedeutet FU?

FU ist eine Einheit. Sie steht für Fibrinolytic Unit, womit die Stärke der gerinnselauflösenden Aktivität des Enzyms angegeben wird. Nattokinase-Produkte enthalten pro Kapsel meist 2000 FU.

Wie dosiert man?

Im Allgemeinen wird auf den entsprechenden Nahrungsergänzungsmitteln zur Einnahme von täglich 2000 FU geraten, was ca. 100 mg Nattokinase entspricht. Denn diese Dosierung hat Studien zufolge eine gute Wirksamkeit gezeigt (45).

In manchen Studien jedoch wurden täglich 500 mg oder 5000 FU eingesetzt – aufgeteilt auf zwei Dosen pro Tag, die mit den Mahlzeiten genommen werden. In der oben vorgestellten Studie von 2022 waren es sogar 10.800 FU täglich.

Es ist allerdings empfehlenswert, die individuelle Dosierung in Rücksprache mit dem behandelnden Arzt festzulegen. Sollte Ihr Arzt sich mit dem Enzym nicht auskennen, holen Sie gerne eine Zweitmeinung bei einem Heilpraktiker oder ganzheitlich tätigen Arzt ein.

Wie, wann und wie lange nimmt man Nattokinase ein?

Die üblichen Kapseln (2000 FU) nimmt man einmal täglich mit etwas Wasser ein. Die o. g. höheren Dosen (5000 FU) wurden teilweise auf zwei Einnahmen pro Tag aufgeteilt. Noch höhere Dosen (10.800) könnten auf drei Dosen aufgeteilt werden, um einen gleichbleibenden Spiegel zu erreichen und starke Schwankungen zu vermeiden.

Manchmal wird die Einnahme zu den Mahlzeiten empfohlen, an anderer Stelle wird eine nüchterne Einnahme präferiert (eine Stunde vor oder zwei Stunden nach einer Mahlzeit), ob morgens, mittags oder abends, spielt dabei keine Rolle. Sie können das Präparat daher so in Ihren Tagesablauf integrieren, wie es für Sie am besten passt.

Das Enzym kann dauerhaft oder kurweise oder auch nur bei Bedarf eingenommen werden.

Wie wird Nattokinase im Körper aufgenommen?

Ähnlich wie Bromelain, das proteinspaltende Enzym aus der Ananas, ist auch das Natto-Enzym ein relativ großes Enzym (33), dass aber dennoch zumindest teilweise die Darmschleimhaut passieren kann.

Wird Nattokinase nun in Form einer Kapsel eingenommen, dann wird sie (oder ihre wirksamen Abbauprodukte) im Darm über die Darmschleimhaut in den Blutkreislauf aufgenommen (34).

Wird das Enzym nicht von der Magensäure zerstört?

Enzyme sind bekanntlich Proteine, die von der Magensäure bzw. den darin befindlichen Verdauungsenzymen inaktiviert und verdaut werden können. Spätestens im Darm warten weitere proteinverdauende Enzyme. Wie schafft es die Nattokinase unter diesen Umständen „lebendig“ in den Blutkreislauf zu gelangen?

Das Natto-Enzym ist – im Gegensatz zu den meisten anderen Enzymen und Proteinen – deutlich säurebeständiger und kann daher die Magensäure überstehen. Auch in Sachen Hitze ist es resistenter als viele andere Enzyme. Es kann Temperaturen bis zu 50 Grad ertragen (35).

Welche Nebenwirkungen hat Nattokinase?

Grundsätzlich sollte man das Enzym nicht zusammen mit anderen Blutverdünnern einnehmen, da sich andernfalls die blutverdünnenden Eigenschaften potenzieren können, was zu inneren Blutungen führen könnte.

Hierzu liegt jedoch bislang nur ein Fallbericht (aus 2008) vor, demzufolge ein Patient, der einen Schlaganfall gehabt hatte, nach der einwöchigen Einnahme von täglich 400 mg Nattokinase gemeinsam mit Aspirin eine Hirnblutung erlitt (36) und man diese auf die kombinierte Einnahme der genannten beiden Blutverdünner zurückführte.

Sicherheitshalber sollten Sie Nattokinase spätestens eine Woche vor Operationen (auch Zahn-Operationen zählen dazu) absetzen, da es sonst während der Operation zu stärkeren Blutungen als üblich kommen könnte.

Bei welchen Beschwerden nimmt man Nattokinase ein?

Nattokinase ist insbesondere zur Vorbeugung interessant, wenn also gewisse Risikofaktoren auf Herz-Kreislauf- und Gefäß-Erkrankungen hindeuten könnten, z. B. Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes, Krampfadern, Hämorrhoiden, Durchblutungsstörungen, eine beginnende Arteriosklerose etc. oder wenn Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Familie liegen.

Aber auch bei Fibromyalgie, dem chronischen Müdigkeitssyndrom, Muskelkrämpfen, Endometriose und Myomen könnte ein Versuch mit dem Enzym unternommen werden, da hier immer auch eine schlechte Durchblutung als Mitursache in Frage kommen könnte. Genauso kann es vor längeren Flugreisen eingenommen werden – siehe nächster Abschnitt.

Kann Nattokinase vor Flugreisen eingenommen werden, um Thrombosen zu verhindern?

Auch bei längeren Flugreisen „verdickt“ das Blut häufig, so dass man hier vorbeugend Nattokinase einnehmen könnte, z. B. zwei Stunden vor dem Flug und sechs Stunden danach je zwei Kapseln. Im entsprechenden Versuch handelte es sich jedoch um Kapseln (Flite Tabs), die eine Kombination aus Nattokinase und Pycnogenol (Pinienrindenextrakt ) enthielten.

Die Studie stammt aus dem Jahr 2003. Man gab das genannte Produkt 186 Personen vor einem 7- bis 8-stündigen Flug. Sie alle waren Risikopatienten für tiefe Beinvenenthrombosen. Die Hälfte erhielt das Präparat, die andere Hälfte ein Placebo.

In der Placebogruppe erlitten fünf eine tiefe Beinvenenthrombose, zwei eine Thrombose der oberflächlichen Venen. In der Nattokinase-Gruppe kam es zu keiner Thrombose (37). Auch die typischen Reiseödeme (dicke Beine) konnten in dieser Gruppe verringert werden, während sie in der Placebogruppe deutlich stärker waren.

Ist Nattokinase wirklich ein natürlicher Blutverdünner?

Nattokinase ist selbstverständlich nicht so natürlich wie ein Lebensmittel, das „blutverdünnende“ Eigenschaften aufweist (z. B. Gojibeeren o. a.). Da Nattokinase jedoch aus einem relativ natürlichen Lebensmittel gewonnen wurde und sie nicht die üblichen Nebenwirkungen blutverdünnender Medikamente hat, aber dennoch gezielt dosiert werden kann, bezeichnet man sie als natürlichen Blutverdünner. Weitere natürliche Blutverdünner haben wir am Ende dieser Seite vorgestellt.

Update 5.11.2022

Wir haben den Abschnitt „Kann man Nattokinase statt Warfarin oder Marcumar nehmen?“ hinzugefügt.

Update 22.2.2023 – Hilft Nattokinase gegen das Spikeprotein?

Derzeit wird im Netz diskutiert, ob Nattokinase das Spikeprotein von SARS-CoV-2 bekämpfen kann, insbesondere jenes Spikeprotein, das durch die mRNA-Impfstoffe in den Zellen des Geimpften gebildet wird. Bei der Studie, die immer wieder als Quelle genannt wird und im August 2022 veröffentlicht wurde, handelt es sich jedoch um eine In-vitro-Studie.

Dazu hatte man Zellen mit dem Spikeprotein infiziert und daraus dann ein Zelllysat hergestellt. Ein Zelllysat ist eine Mischung aus Zellen, deren Membrane zerstört wurden. Die Zellen sind also nicht mehr lebensfähig. Nun hatte man dem Zelllysat Nattokinase hinzugegeben und festgestellt, dass das Enzym das Spikeprotein abbauen konnte.

Das aber ist nicht sehr verwunderlich, denn es handelt sich um eine Protease, also ein Enzym, das Proteine abbaut. Somit konnte sie auch das Spikeprotein auflösen (42). Dies aber hätte möglicherweise auch mit anderen Proteasen funktioniert, wenn man sie dem Zell-Lysat zugegeben hätte.

Die Studie zeigt somit, wie hochkonzentrierte Nattokinase wirkt, wenn man sie direkt mit dem Spikeprotein in einem Gefäß zusammenbringt und dort einwirken lässt. Die Studie kann aber nicht im Ansatz einen Hinweis darauf geben, wie das Enzym – wenn man es oral in Kapselform und in der üblichen Dosis einnimmt – im Körper das Spikeprotein finden und nur dieses gezielt auflösen können soll.

Update 19.3.2023

Wir haben den Abschnitt „Wie ist der Einfluss des Enzyms bei Krebs?“ hinzugefügt.

Update 3.3.2024

Wir haben den Abschnitt zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingefügt.

Update 18.12.2025

Wir haben Studie 46 eingefügt – zur Wirkung hochdosierter Nattokinase bei Arteriosklerose.

Quelle: Nattokinase – Ein Enzym zur Blutverdünnung

PS: Unsere Empfehlung: