Der Vegan-Gladiator im Interview: Ralf Moeller verrät sein Geheimrezept für einen 60er-Bizeps

Hollywood Schauspieler Ralf Moeller lebt vegan und verrät uns im Interview sein Geheimnis für einen großen Bizeps

Ralf Moeller ist ein deutsch-amerikanischer Schauspieler und ehemaliger Mr. Universe. Bekannt ist er für seine Rollen als Brick Bardo in Cyborg, Kjartan in The Viking Sagas, als Titelheld der TV-Serie „Conan The Adventurer“, Hagen in Gladiator, Thorak in The Scorpion King und Ulfar in Pathfinder – Die Fährte des Kriegers. 

Wie viele seiner Hollywood-Kollegen, ernährt auch Moeller sich mittlerweile vegan. 
Im Interview mit This Is Vegan erzählt er, wie er auf seinen Proteinbedarf kommt und welche positiven Auswirkungen die Ernährungsumstellung auf seine Gesundheit hat.

Du hast Anfang des Jahres deinen 60. Geburtstag gefeiert. Herzlichen Glückwunsch nachträglich. Du bist dennoch fitter und aktiver, als viele 20-Jährige. Was ist dein Geheimnis?

Ralf Moeller: Musst du mich unbedingt an mein Alter erinnern? (lacht) 
Vielen Dank für die lieben Worte. Ich habe in den letzten 40 Jahren viel Sport gemacht und habe bereits mit sieben Jahren als Schwimmer angefangen. In meinem Beruf als Schauspieler musste ich natürlich auch immer fit bleiben. Ich weiß noch, wie die Leute damals sagten, als ich Mitte 20 war, dass der Bizeps mit 50-60 Jahren schrumpft. Wie man sieht ist noch alles da und ich bin fitter, als ich in den Vierzigern war. Für mich war schon immer klar, dass 70% die Ernährung ausmacht. 30% ist das Training. Das war mir in meinen Anfängen mit 20 noch nicht bewusst. Als ich mit 18 mit Bodybuilding angefangen habe, gab es gerade vor Wettkämpfen immer nur Low Carb, täglich Hähnchenfleisch, Fisch und Co. Auch auf meine tägliche Vitamin- & Proteinzufuhr habe ich immer geachtet. Ernährung war damals schon ein wesentlicher Bestandteil meines Lebens. 

Ich habe früher 127 Kilo gewogen und bin jetzt auf 114 Kilo runter – definierter und trainierter denn je. Ich habe nach wie vor eine unglaubliche Energie und Kraft. Vor kurzem habe ich einen Test gemacht, der mein biologisches Alter anhand von Aspekten, wie Schnelligkeit, Kraft, Ausdauer und Flexibilität misst. Ich habe mich nicht darauf vorbereitet – das Ergebnis für mein biologisches Alter war 39 Jahre.

Du lebst mittlerweile vegan. Wie kam es dazu und wie fühlst du dich seit dem?

Ralf Moeller: Ich hatte damals den ersten Kontakt mit veganer Ernährung durch meinen guten Freund, James Cameron. Er ist der erste, den ich kannte, der von heute auf morgen gemeinsam mit seiner Frau sagte „Jetzt ist Schluss! Alles nicht-vegane raus aus dem Kühlschrank!“ und direkt vegan geworden ist. Das fand ich bewundernswert. 

Dann kam ein guter Freund dazu – Franco Carlotto, der sechsmaliger “Mr. World-Fitness” ist. Er begann sich vegan zu ernähren, ohne dabei Muskulatur zu verlieren und hat dann immer erzählt, dass er sich fitter, vitaler und stärker denn je fühlt. Dabei hat er mir fast täglich Bilder und Videos geschickt, wie Tiere für unseren Konsum geschlachtet werden und leiden müssen. Das war ein großer Aspekt für mein Umdenken.  Es ist unvorstellbar grausam, unter welchen Bedingungen wir unsere Nahrung „produzieren“ lassen. Ich habe noch jetzt die Schreie der Tiere aus den Videos im Kopf! Zwischendurch gab es auch immer noch eine Bekannte, die mir einen veganen Kuchen mitgebracht hat. Der hat hervorragend geschmeckt. Trotzdem hatte ich noch die typischen Vorurteile im Kopf, dass ich nicht auf meine Proteine kommen könnte und vegan nicht gesund sein kann. Dennoch hat der Geschmack mich überzeugt und neugierig gemacht – ich sagte aus Spaß zu ihr „Für das Dessert könnte ich vegan werden!“. 

Dann habe ich die Entscheidung getroffen, dass ich das nicht mehr unterstützen möchte und habe erstmal auf Fleisch und Milchprodukte verzichtet. Heute lebe ich vegan und kann es nur jedem empfehlen.

Wie ging es dir am Anfang deiner Umstellung?

Ralf Moeller: Es war relativ easy für mich. Obwohl ich gerne Käse gegessen habe, war das Bewusstsein für „die Sache“ stärker als die Lust nach einem tierischen Produkt. Ich habe trotzdem nichts überstürzt und mich nach und nach damit befasst was ich wodurch ersetzen kann. Mittlerweile klappt das zum Glück ganz gut! Es geht nicht darum, zu hungern oder auf etwas zu verzichten, sondern neue leckere und nahrhafte Gerichte zu entdecken.

Hast du einen Tipp für die Menschen, die es vegan probieren möchten, aber noch nicht wissen wie sie anfangen sollen?

Ralf Moeller: Die Frau von James Cameron – Suzy Amis, hat in ihrem Buch „OMD: One Meal A Day / The Simple, Plant-Based Program to Save Your Health, Save Your Waistline, and Save the Planet“ einen guten Ansatz zur Umstellung erklärt. 
Fangt doch mit einer Veggie-Mahlzeit an und lasst erstmal das Fleisch weg. Wenn das gut klappt, dann können auch die Milchprodukte gestrichen werden. Da gibt es mittlerweile viele tolle Alternativen in jedem Supermarkt. Von veganem Käse, über Wurst bis hin zu Fleisch. Die meisten schmecken wirklich hervorragend und das völlig ohne, dass Tiere dafür leiden müssen. Probiert euch einfach mal durch – es lohnt sich! 
Das Buch und den YouTube-Kanal von Niko Rittenau kann ich dazu sehr empfehlen.

Wie ist denn allgemein die Auswahl in den USA, wenn du in Restaurants essen gehen möchtest?

Ralf Moeller: Hervorragend. Gerade Kalifornien im Bereich Santa Monica und Los Angeles haben viele vegane Hotspots. Auch in jedem „normalen“ Restaurant findest du mittlerweile fünf bis sechs vegane Gerichte auf der Speisekarte. Vor kurzem war ich mit einem Freund in Hamburg im „Café Paris“ zum Essen verabredet und habe mich gefreut, auf der Speisekarte ein veganes Curry zu finden. Ich war positiv überrascht von der Entwicklung in vielen „normalen“ Restaurants. Ich kann nur jedem Gastronom empfehlen, seine Speisekarte mit einer Auswahl an veganen Gerichten anzupassen.

Auch im Supermarkt ist die Entwicklung hier noch weiter fortgeschritten. Da gibt es jede Menge gesunde Produkte, die jetzt auch nach Deutschland kommen. Von veganer Butter, bis hin zu Fertiggerichten, die Original nach Hähnchen und Co schmecken.

Wie hat sich die Ernährungsumstellung denn auf deinen Körper ausgewirkt?

Ralf Moeller: Nachdem ich Fleisch und Molkereiprodukte weggelassen habe, hat sich mein Cholesterinhaushalt in kürzester Zeit wesentlich verbessert. Und auch meine Kraftwerte sind besser denn je. Das war schon mal stark und hat mich animiert weiterzumachen. 

Im September kommt dazu übrigens ein Film von James Cameron ins Kino, den ich sehr empfehlen kann – „The Gamechangers“ wird der heißen. Darin werden alle Fragen rund um die Vorurteile der veganen Ernährung von Spitzensportlern, wie Arnold Schwarzenegger, Lewis Hamilton, James Wilksgers, Jackie Chan und vielen anderen wiederlegt. Dieser Film wird ein „Gamechanger“!

Du bist ziemlich viel unterwegs. Wie schaffst du es, dich auf Reisen gesund, vegan zu ernähren?

Ralf Moeller: Auf Reisen finde ich eigentlich immer etwas. Ich gehe das aber nicht zu gezwungen an und bin ehrlich. Da kann es durchaus vorkommen, dass die Ernährung „nur“ zu 80% vegan ist. Aber das ist für mich auch in Ordnung so. Mein Freund Arnold Schwarzenegger macht es ebenfalls so. Er hat mittlerweile sogar einen Koch bei sich zu Hause, der nur vegan kocht. Und auch bei ihm haben sich die Werte dank der veganen Ernährung deutlich verbessert.

Was isst Ralf Moeller an einem normalen Tag?

Ralf Moeller: Morgens esse ich mein Oat Meal / Porridge. Dazu gibt es Früchte, ein bisschen Zimt und Reis- oder Hafermilch. Total easy und richtig lecker. 
Mittags und abends variiere ich dann, je nachdem worauf ich Lust habe. Selbst vegane Pizza gibt es ab und zu. Natürlich schaue ich aber auch auf die Nährwerte und Zutaten.

Schauspieler, wie Joaquin Phoenix bestehen am Filmset darauf, dass keine Kleidung tierischen Ursprungs verwendet wird. Achtest du auch darauf?

Ralf Moeller: Ich finde das toll, setze das in der Form allerdings noch nicht um. Joaquin Phoenix und andere Hollywood-Schauspieler haben einen ganz anderen Ablauf. 
Man sollte vorsichtig sein, wenn man am Anfang sagt „Ich lebe jetzt vegan, schmeiße meine ganzen alten Klamotten weg und erwarte das auch von euch!“ 
Das überfordert Menschen schnell und sie lassen es ganz sein. Step by Step entwickelt sich das sicher.

Ernährung war schon immer ein wichtiges Thema für dich. Setzt du dich auch aktiv dafür ein, dass andere Menschen sich besser ernähren?

Ralf Moeller: Ja, definitiv! Das ist mir sehr wichtig, aber ich möchte nicht missionieren. 
Viele Lebensmittel bestehen heutzutage nur noch aus Zucker und Fett. Insbesondere Kinder und Jugendliche essen zu viel davon. Seit etwa zwölf Jahren bin ich für das Projekt „Starke Typen“ an Schulen unterwegs, um Jugendlichen Jobs zu besorgen. Dabei erzähle ich immer wieder nebenbei, wie wichtig die richtige Ernährung ist. 
„Nichts Süßes mehr essen – dann bekommt ihr auch so einen Bizeps!“ funktioniert hier immer besonders gut. (lacht) 
Vor wenigen Wochen war ich auch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, Ernährungsministerin Julia Klöckner und dem Bundesminister für Gesundheit Jens Spahn auf der Bühne. Hier haben wir uns unter anderem über das Thema Veganismus unterhalten und alle waren sehr offen dafür.  Es gibt auch viele prominente Kollegen, die mittlerweile vegan leben. Allerdings ist nicht nur so eine Modesache, das müssen die Menschen verstehen. Aber um da hinzukommen muss man die Leute erst mal langsam an das Thema ranführen.

Wie reagierst du auf Menschen, die nicht glauben, dass vegane Ernährung gesund sein kann?

Ralf Moeller: Der Mensch ist ein Augentier – wenn ich denen mit 60 noch einen 50er Bizeps hinhalte, der vegan entstanden ist, ist das für die meisten Argument genug. (lacht)

Vegan trainieren mit Ralf Moeller

Was sagst du zu Menschen, die vegane Gerichte aus Unwissenheit als „Verarbeitete Lebensmittel mit Chemie“ abstempeln?

Ralf Moeller: Es ist ja alles aus Pflanzen – ihr esst ja auch die Rote Beete mit, wenn sie im Salat verarbeitet ist. Das Argument mit den verarbeiteten Lebensmitteln zählt da nicht. Man muss natürlich trotzdem aufpassen – es gibt natürlich auch viele vegane Produkte die einen hohen Zuckeranteil haben. Das ist aber auch bei nicht-veganen Produkten oft der Fall.

Wie reagierst du, wenn du beim Essen auf deine Ernährung angesprochen wirst?

Ralf Moeller: Es ist eine Challenge, wenn alle „normal“ essen und du etwas veganes bestellst. Dann schauen sie erst mal und fragen, ob das schmeckt. Als nächstes kommt die Frage nach den Proteinen – dann verkürze ich das Ganze und spanne den Bizeps an. (lacht)

Wie hat deine Familie auf deine Ernährungsumstellung reagiert?

Ralf Moeller: Überraschend positiv. Mein Vater ist gerade 90 geworden und meine Mutter 83. Da habe ich auch nach und nach die Milch gegen Reis- oder Hafermilch ausgetauscht, da man ja auch möchte, dass es seinen Liebsten lange gut geht. 
Aber es ist ein Prozess, den es sich lohnt anzufangen, weil man im Alter eine bessere Lebensqualität hat, gesund ist und sich selbst auch ganz anders sieht.

Wo dürfen wir dich demnächst denn auf der Kinoleinwand bewundern?

Ralf Moeller: Ein Kinofilm wird aktuell produziert, der im September wahrscheinlich ins Kino kommt. Mit Henning Baum haben wir den Film „Der letzte Bulle“ produziert, der am 7. November in die Kinos kommt. Das ist der Kinofilm zu der erfolgreichen Serie, die es vor einigen Jahren gab. Und ich selbst bin gerade in Verhandlungen und in Gesprächen mit Tim Miller. Da ist eine große Serie für Netflix geplant. Viel mit Drachen, wie man das zum Beispiel von „Game of Thrones“ kennt. Ein spannendes Projekt, auf das ich mich sehr freue!

Gibt es zum Schluss noch etwas, das du unseren Lesern mitgeben möchtest?

Ralf Moeller: Leute! Mit 20 oder 30 – da verkraftet das euer Körper noch irgendwie. 
Sobald ihr aber in die 40er, 50er oder 60er reinkommt, ist das alles sehr schädlich. Denkt doch einfach jetzt schon an später! Es ist doch nur eine Gewohnheit, die ihr umstellen müsst! Den Proteinbedarf deckt ihr locker durch vegane Ernährung und Vitamin B12 kann man ganz leicht supplementieren. Investiert in euren Körper, dass ihr auch im Alter noch fit und vital seid und immer noch eine tolle Lebensqualität habt. Training alleine ist nicht alles! Alle möchten Elektroautos fahren, um etwas für die Umwelt zu tun. Aber dass ihr das auch durch eure Ernährung mit in der Hand habt, müsst ihr selbst sehen. Ich habe gerade erst den Mercedes EQC getestet – der fährt 400 km/h und genauso kann das auch euer Körper, wenn ihr ihn richtig füttert. Ladet euren Akku richtig auf und gebt dann Vollgas! 

Nichts aufschieben! Probiert es aus. Ich kann nur jedem gratulieren, der sich entscheidet, vegan zu leben. Damit entscheidet ihr euch für ein gesünderes, besseres, bewussteres Leben und tut nebenbei noch etwas Gutes für Tiere und Umwelt! Just do it!

Ralf Moeller auf Instagram: www.instagram.com/ralf.moeller

Ralf Moeller online: www.ralfmoeller.com

“The Gamechanger”: www.gamechangersmovie.com

Quelle: Der Vegan-Gladiator im Interview: Ralf Moeller verrät sein Geheimrezept für einen 60er-Bizeps

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