Fett verbrennen ohne Sport

Übergewicht zählt zu den größten gesundheitlichen Herausforderungen unserer Zeit. In der Forschung wird daher intensiv nach Lösungen gesucht. Dänische Wissenschaftler stellten fest: Bestimmte Veränderungen in der Ernährung könnten den Körper dazu bringen, mehr Fett zu verbrennen – ganz ohne mehr Sport oder weniger Essen.

Fettverbrennung fördern – einfach nur zwei Aminosäuren reduzieren?

Bislang gilt bei Übergewicht: Energieverbrauch erhöhen (mehr Bewegung) und gerade so viel zu essen, dass zumindest ein kleines Kaloriendefizit erreicht wird.

Eine Studie vom Oktober 2025 zeigte (zunächst an Mäusen), dass es eine Strategie geben könnte, wie sich die Fettverbrennung auch ohne die beiden üblichen Maßnahmen ankurbeln ließe (1).

Im Mittelpunkt der Forschung standen zwei Aminosäuren: Methionin und Cystein. Sie kommen besonders häufig in tierischen Lebensmitteln wie Fleisch, Eiern und Milchprodukten vor.

Werden diese Aminosäuren in der Ernährung reduziert, scheint der Körper in einen Zustand versetzt zu werden, der normalerweise von Kälte ausgelöst wird. Der Körper erhöht die Wärmeproduktion und gleichzeitig steigt die Fettverbrennung.

Wenn der Körper in den Kältemodus schaltet

Wenn Menschen oder Tiere Kälte ausgesetzt sind, muss der Körper zusätzliche Energie aufwenden, um seine Temperatur konstant zu halten. Dieser Prozess wird als Thermogenese bezeichnet. Dabei wird Energie in Form von Wärme produziert, wodurch gleichzeitig Kalorien verbrannt werden.

Wissenschaftler versuchen daher schon länger, Wege zu finden, diesen Mechanismus gezielt zu aktivieren – ohne dass man dafür in eisiger Umgebung leben oder regelmäßig Eisbäder nehmen muss.

Die Forscher oben genannter Studie – die Biochemiker Philip Ruppert und Jan-Wilhelm Kornfeld – untersuchten, ob sich Thermogenese allein über die Ernährung stimulieren lässt. Sie experimentierten dazu mit unterschiedlichen Aminosäureanteilen in der Nahrung.

Weniger Methionin und Cystein – Energieverbrauch steigt

Über einen Zeitraum von sieben Tagen erhielten Mäuse eine Ernährung, die deutlich weniger Methionin und Cystein enthielt. Die Kontrollgruppe erhielt eine normale Ernährung. Das Ergebnis war bemerkenswert: Die Mäuse mit der methionin- und cysteinarmen Ernährung verbrannten deutlich mehr Energie als die Tiere mit der normalen Ernährung.

„Die Tiere, die am meisten Energie verbrauchten, fraßen genauso viel wie die anderen und bewegten sich nicht mehr oder weniger“, erklärt Studienleiter Jan-Wilhelm Kornfeld. „Dennoch beobachteten wir eine rund 20-prozentige Steigerung der Thermogenese“ (2).

Die Tiere nahmen zudem mehr Gewicht ab – und zwar nicht deshalb, weil sie weniger Kalorien aufnahmen oder aktiver waren, was beides ja nicht der Fall war. Stattdessen erzeugte ihr Körper schlicht mehr Wärme und verbrannte dadurch mehr Energie.

Der Effekt der Ernährungsumstellung war nahezu genauso stark wie eine dauerhafte Umgebungstemperatur von etwa fünf Grad Celsius.

Das beige Fettgewebe wird aktiviert

Dabei zeigte sich, dass vor allem das sogenannte beige Fettgewebe aktiv wurde. Dieses Gewebe befindet sich direkt unter der Haut und ist sowohl bei Mäusen als auch bei Menschen vorhanden.

Beiges Fett gilt als metabolisch besonders aktiv. Anders als das klassische weiße Fettgewebe, das hauptsächlich Energie speichert, kann die beige Variante Energie in Wärme umwandeln und dadurch Kalorien verbrennen.

Es funktioniert damit ähnlich wie das bekanntere braune Fettgewebe, das ebenfalls Energie in Wärme umwandeln kann. Dieses ist im Erwachsenenalter aber nur noch in kleinen Depots vorhanden und entsteht auch nicht aus weißem Fett.

Die beige Variante hingegen kann sich aus gewöhnlichen weißen Fettzellen bilden, wenn bestimmte Reize den Stoffwechsel entsprechend aktivieren. Zu diesen Reizen gehört offenbar nicht nur Kälte – wie die vorgestellte Studie zeigt – sondern auch Ernährungsfaktoren, wie z. B. eine methionin- und cysteinarme Ernährung.

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass es für das beige Fett keinen Unterschied macht, ob die Aktivierung durch Kälte oder durch die Ernährung ausgelöst wird“, erklärt Philip Ruppert.

Pflanzliche Ernährung enthält weniger Methionin und Cystein

Pflanzliche Lebensmittel und auch pflanzliche Proteinquellen enthalten die beiden Aminosäuren in deutlich geringeren Mengen als Fleisch, Wurst und Käse. Wer sich daher pflanzenbasiert ernährt, nimmt automatisch auch deutlich weniger Methionin und Cystein zu sich.

Der oben vorgestellte Zusammenhang könnte daher mit ein Grund dafür sein, warum vegan essende Menschen seltener Übergewicht und auch ein geringeres Risiko für zahlreiche chronische Erkrankungen haben.

Trotz der vielversprechenden Ergebnisse betonen die Forscher, dass ihre Untersuchung bislang ausschließlich an Mäusen durchgeführt wurde. Ob sich der Effekt in gleicher Weise beim Menschen beobachten lässt, ist noch unklar. Dies wird in künftigen Studien untersucht werden.

Quelle: Fett verbrennen ohne Sport